KI kann im Product Information Management bei vielen Aufgaben unterstützen und bestimmte Aspekte eigenständig übernehmen: Datenqualität prüfen, Inhalte übersetzen, wiederkehrende Prozesse automatisieren und ähnliches. Doch nicht jedes PIM ist belastbar aufgestellt und somit KI-ready.
Bevor Sie KI-Features implementieren, lohnt sich deshalb ein prüfender Blick: Erfüllt das PIM-System Ihres Unternehmens alle nötigen Voraussetzungen für den erfolgreichen Einsatz von KI? Die folgenden vier Fragen helfen Ihnen bei der Einschätzung der KI-Readiness.
Wie das PIM aufgebaut ist und wie gut es gepflegt wird, prägt seine KI-Readiness. Das zeigt sich besonders bei weitergehenden Ansätzen wie Agentic PXM. Hier sollen KI-Agenten nicht nur bei einzelnen Aufgaben unterstützen, sondern innerhalb definierter Regeln ganze Prozessketten koordinieren. Und insbesondere solche Modelle funktionieren nur, wenn das darunterliegende PIM die notwendigen Voraussetzungen erfüllt.
Ein PIM, das KI-ready ist, zeichnet sich vor allem durch ein klares Datenmodell aus. Attribute müssen eindeutig sein und dieselbe Information darf nicht mehrfach unter unterschiedlichen Bezeichnungen im System existieren.
Ein Beispiel: Wenn ein Produkt einmal über das Attribut „Gewicht Verpackung“ und an anderer Stelle über „Versandgewicht“ beschrieben wird, obwohl beide dasselbe meinen, entsteht für die KI ein Interpretationsproblem. Sie kann nicht zuverlässig erkennen, ob es sich um zwei unterschiedliche Werte oder um dieselbe Information handelt.
Je eindeutiger die Struktur ist, desto zuverlässiger können KI-Funktionen darauf aufbauen.
KI im PIM kann Dubletten erkennen, unterschiedliche Schreibweisen vereinheitlichen und fehlende Informationen markieren. Sie ersetzt aber keine fachliche Entscheidung, denn KI kann nicht sicher beurteilen, welche fachliche Information korrekt ist, wenn die Grundlage widersprüchlich ist. Gerade bei technischen Spezifikationen, Preisen oder regulatorischen Angaben ist deshalb eine hohe Datenqualität entscheidend.
Ein Beispiel aus der Produktlokalisierung: Ein Adapter kann in einem Land Bestandteil der Verpackung sein, in einem anderen nicht. Dadurch ändert sich das Verpackungsgewicht. Eine KI kann solche Unterschiede erkennen oder Vorschläge für Varianten machen – sie benötigt dafür aber ein korrekt aufgebautes Datenmodell, in dem länderspezifische Besonderheiten abgebildet werden können.
Ihr PIM ist KI-ready, wenn es schnittstellenoffen ist, das heißt Daten kontrolliert mit anderen Systemen austauschen kann – etwa mit ERP, DAM, Shop-Systemen, Marktplätzen oder externen KI-Services.
Als Nutzer erkennen Sie ein schnittstellenoffenes PIM daran, dass Produktdaten automatisiert übernommen und ausgespielt werden können, ohne manuelle Exporte oder Importe. Gleichzeitig ist klar definiert, welches System welche Informationen verantwortet.
Bevor KI Produktinformationen verändert oder Inhalte automatisiert erstellt, muss feststehen, wer Ergebnisse prüft, freigibt und fachlich verantwortet. Das gilt besonders für sensible Informationen wie technische Spezifikationen, Preise oder regulatorische Angaben.
Während KI beispielsweise bei der Erstellung von Produkttexten unterstützen oder Datenlücken markieren kann, sollten fachlich relevante Änderungen weiterhin durch verantwortliche Mitarbeiter geprüft werden.
Bevor KI-Features ins PIM integriert werden, sollten deshalb Fragen wie diese geklärt sein:
Bleiben diese Zuständigkeiten unklar, kann KI zwar Prozesse beschleunigen – sie erhöht aber auch das Risiko, dass fehlerhafte Informationen automatisiert weitergegeben werden.
KI-Readiness ist nur dann relevant, wenn es auch einen sinnvollen Anwendungsfall für KI im PIM gibt.
Besonders geeignet sind wiederkehrende Prozesse mit hohem manuellem Aufwand, zum Beispiel:
Allgemein gilt: Ein Unternehmen mit einem klar definierten Produktdatenprozess und vielen wiederkehrenden Aufgaben kann stärker von KI profitieren als ein Unternehmen, das nur wenige Produkte mit individuellen Abläufen verwaltet.
Fehlende Voraussetzungen sprechen nicht grundsätzlich gegen die Integration von KI-Features ins PIM. Sie zeigen lediglich, welche Baustellen zuerst angegangen werden müssen.
Wir empfehlen unseren Kunden daher immer, zunächst eine Bestandsaufnahme vorzunehmen und die Handlungsfelder nach Nutzen zu priorisieren. In der Zusammenarbeit mit unseren PIM-Experten lassen sich daraus schrittweise Teilprojekte ableiten.
Zum Beispiel:
Ein PIM ist nicht deshalb bereit für KI, weil der Hersteller entsprechende Funktionen anbietet. Produktdaten müssen zentral und verlässlich vorliegen, Prozesse nachvollziehbar funktionieren, technische Integrationen möglich und Datenmodelle klar definiert sein. Ebenso wichtig sind feste Regeln dafür, welche Entscheidungen eine KI treffen darf und wo menschliche Freigaben erforderlich bleiben. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, ist Ihr PIM-System KI-ready.
Fehlt dagegen bereits die Grundlage, sollte genau dort begonnen werden. Denn auch leistungsfähige KI kann ein ungeklärtes Datenmodell, widersprüchliche Produktinformationen oder fehlende Verantwortlichkeiten nicht zuverlässig kompensieren.
Sie möchten wissen, welche KI-Anwendungsfälle zu Ihrer bestehenden Systemlandschaft passen? Gemeinsam analysieren wir Daten, Prozesse und Systemarchitektur und identifizieren die Schritte, die für eine tragfähige Umsetzung notwendig sind. Senden Sie uns einfach eine unverbindliche Anfrage!